Analyse - "Homo Faber" - Max Frisch


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HOMO FABER
Vorbemerkung
Im Roman ”Homo Faber” werden Frischs Vorgänge und Begebenheiten erzählt, deren fiktive Realität sich mit der unsrigen deckt. Grundsätzlich geht es um den Widerpart von Ratio (Vernunft, Verstand) und Seele, von Erklärbarem und Unerklärbarem, von menschlichen Plänen und der Verknüpfung unseres Handelns in ganz anderen Bereichen, von Leben als Addition und Leben als Gestalt. Seine Bearbeitung scheint vorerst ohne Berücksichtigung von Naturwissenschaft, Philosophie und Psychologie nicht möglich. Nichts davon jedoch erscheint im Roman, trotzdem bleibt die Erzählung verständlich. Vorteil: Wir erkennen den Irrtum des Walter Faber und die damit zusammenhängende Problematik ohne Kommentar. Die Geschichte Fabers ist eine private Geschichte, welche Aufzeichnungen persönlicher Materialien des Helden enthält 1).

In seinem Tagebuch hat Frisch notiert: ”Als Stückeschreiber hielte ich meine Aufgabe für durchaus erfüllt, wenn es in einem Stück jemals gelänge, eine Frage dermassen zu stellen, dass die Zuschauer von dieser Stunde an ohne eine Antwort nicht mehr leben können - ohne ihre Antwort, die sie nur mit dem Leben geben können.”

Der Dichter Max Frisch liebt komplizierte Erzählsituationen, motivische Kontrast-Analogien, das reizvolle Spiel mit Erzähltem und Erinnertem, den beziehungsreichen Wechsel von Rückwendung und Vorausdeutung. Erst wenn sich aus solcher Verwendung literarischer Instrumente Figuren fügen, deren Reiz sich dem Rezipienten erschliesst, kann aus der Begegnung zwischen Leser und Werk Fruchtbares wachsen.2)

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1) Hans Geulen ”Max Frischs Homo Faber” - Studien und Interpretationen
2) Max Frischs Tagebuch 1946 – 49

Zusammenfassung (chronologischer Ablauf)
Ein Schweizer Ingenieur, Walter Faber, der in den Jahren 1933-35 Assistent an der ETH in Zürich ist, lernt eine Halbjüdin, Hanna Landsberg aus München, kennen und will sich mit ihr vermählen. 1936 bekommt Faber ein Angebot aus Bagdad und trennt sich von seiner Verlobten, die ein Kind von ihm erwartet, das abgetrieben werden sollte. Hanna heiratet stattdessen Fabers Freund, einen Medizinalstudenten im Staatsexamen, Joachim Hencke und bringt das Kind, das sie Elisabeth nennt, zur Welt. Nach dem Krieg geht Hanna eine Ehe mit dem deutschen Kommunisten Piper ein. Doch sie lässt sich 1953 auch von ihm scheiden und wandert mit ihrer Tochter nach Griechenland aus. Elisabeth, nun etwa zwanzigjährig, geht 1956 für ein Jahr nach Yale in die USA um zu studieren.

Walter Faber, der seit 1946 in Manhattan lebt und mit Ivy, einem amerikanischen Mannequin, zusammenwohnt, arbeitet mittlerweile für die UNESCO als Entwicklungshelfer. 1957 fliegt er von New York nach Caracas, um eine Turbinenmontage zu leiten. Unterwegs lernt er einen Düsseldorfer kennen, Herbert Hencke, Vertreter der Hencke-Bosch AG, welche eine Tabakplantage in Guatemala aufbaut und begleitet diesen. Als sie nach einigen Tagen die Plantage erreichen, finden sie Joachim (Leiter des Projekts und Ex-Ehemann von Hanna) erhängt vor. Faber reist zurück zu Ivy, da die Turbinen in Caracas noch verpackt sind. Am nächsten Tag nimmt er ein Schiff nach Le Havre um in Paris an einer Konferenz teilzunehmen. Dabei trifft er eine junge Studentin namens Elisabeth Piper, die ihre Mutter in Athen besuchen will, und verliebt sich in sie. In Paris begegnet er ihr wieder, beide kommen sich näher und reisen per Auto nach Griechenland. Nach einem Schlangenbiss am Strand in Akrokorinth bringt er sie zu einem Hospital in Athen, wo er auch Hanna begegnet. Während er bei ihr wohnt, kommt ihm die Gewissheit, dass Elisabeth seine Tochter ist. Wenige Tage später unterliegt sie ihren Kopfverletzungen, die sie sich beim Sturz nach dem Schlangenbiss zugezogen hat. Faber kann beim Aufenthalt in Caracas wegen seiner Magenbeschwerden nicht an der Montage teilnehmen und schreibt den ersten Teil eines Berichts an Hanna.

Am 9.7.1957 fliegt er nach Düsseldorf, um der Hencke-Bosch AG über den Tod von Joachim und die Plantage mittels aufgenommener Videofilmen zu berichten. Ab 19.7. liegt Faber im Athener Krankenhaus, um sich einer Magenoperation (Diagnose: Magenkrebs) zu unterziehen. Während dieser Zeit schreibt er den zweiten Teil seines Berichts. Hinzu kommen noch handschriftliche Aufzeichnungen, die in dem Moment abbrechen, als sie ihn zur Operation abholen.

Sprache und Stil
Das Offensichtliche ist schnell gesagt. Schon beim Durchblättern des Buches fällt einem auf, dass es sich nicht um einen alltäglichen Roman handelt. Wenn man erst einmal ausgelesen hat, weiss man auch wieso. Vom Konzept her hält man ein Manuskript in Händen, welches sich teils aus Maschinenseiten, teils aus Handschriften (im Spital nehmen sie ihm in den Ruhezeiten seine ”Hermes-Baby” weg) besteht. Der Untertitel ”Ein Bericht” entspricht diesem Ansatz. Frisch zeigt uns hier einen Techniker, der es gewohnt ist, Rapporte zu schreiben. Dementsprechend fällt auch die Sprache aus: einfache und oft kurze Sätze wechseln sich mit Satzungetümen ab, die versuchen, einen Tatbestand möglichst genau zu beschreiben. Frisch zu seinen Helden: ”Dieser Mann lebt an sich vorbei, weil er einem allgemein angebotenen Image nachläuft, nämlich dem der Technik. Im Grunde ist Homo Faber kein Techniker, sondern ein verhinderter Mensch, der von sich selbst ein Bildnis hat machen lassen, das ihn hindert, zu sich selber zu kommen.”3)

Fabers wichtige Sätze werden mehrmals wiederholt, manchmal nach jedem Absatz, doch ebenso über das gesamte Buch verteilt, um die Denkschemen des Protagonisten darzustellen. Es sind Fragen, die ihm unbeantwortet bleiben, ebenso wie Geisteshaltungen, welche sein Handeln prägen. Da ja der Eindruck eines autobiographischen Textes erweckt werden soll, verrät sich so die Hauptperson quasi selbst. Dem Leser erwächst eine zwiespältige Persönlichkeit, welche ihre menschlichen Bedürfnisse und ihr Selbstverständnis nicht in Einklang bringen kann. Je weiter man im Buch gelangt, desto grösser wird auch das Verständnis für diesen gescheiterten Menschen. Den Anlass zur Niederschrift erhält Faber durch den Tod seiner einzigen Tochter. Den ersten Teil des Buches schreibt er also rückblickend auf die Ereignisse, welche dazu führten. Dazu gehören natürlich auch die vielen Rückblenden in die tiefere Vergangenheit, welche dieses Szenario erst ermöglichten. Faber spricht keine gehobene Dichtersprache. Er ist Ingenieur: er sieht, was er sieht, und er ist kein Erzähler! Manchmal nimmt er die Handlung der kommenden Seiten in einem Satz vorweg (z.B. Heiratsantrag). Frisch gelingt es so immer wieder, uns zu überraschen. Der Verlauf der Geschehnisse wird nicht absehbar, und es erhöht die Spannung auf das Kommende. Der Text wirkt so allerdings auch etwas zerstückelt, da es oft Einschübe gibt, die wenig mit der momentanen Handlung zu tun haben.

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3) Rudolf Ossowski ”Jugend fragt - Prominente antworten”

Ansonsten ist die Sprache leicht verständlich, weil wenige Fremdwörter darin vorkommen, bei denen man das dringende Bedürfnis hat, nachzuschlagen. Mit Faber ändert sich auch seine Sprache, welche übrigens keineswegs hauptsächlich als Deutsch angesehen werden kann. Grosse Teile des Buches müssten auf Englisch, Spanisch, Französisch oder Griechisch geschrieben sein - wenigstens die Dialoge. Übrigens dürften etliche Sprachfehler in diesem Buch zu finden sein... (da es ja offiziell niemand korrigiert hat)

Analyse I
In der Tat birgt der Roman zahlreiche Anspielungen auf Antikes, und die Beziehungen zur griechischen Tragödie sind unübersehbar: die tödliche Krankheit Fabers, die gnadenlose Folgerichtigkeit, mit der er in tiefe, unausweichliche Schuld geführt wird, sind als das Werk der ”Erinnyen bzw. Eumeniden” zu deuten, wie er es selbst einmal ausgedrückt hat. Neben dem Schauplatz Griechenland finden wir immer wieder Zitate des Ödipus-Komplexes (unbewusst-verdrängte sexuelle Neigung des Sohns zur Mutter oder der Tochter zum Vater -> Elektra-Komplex), das Motiv zur Blindheit oder der Selbstblendung.

Manfred Jürgensen: ”Wir haben es in Walter und Hanna mit zeitgenössischen Gegengestalten antiker Sagenhelden zu tun. Der Schlüssel zum richtigen Verständnis dieses Romans sei darin zu finden. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher zeigt es sich, dass Frisch hier ein modernes Gegenstück zur klassischen Tragödie gestaltet. Die meditativen Reflexionen gewinnen in der Tat mehr und mehr den Charakter eines Chores, der die vorangegangene Handlung kommentiert.”4)

Um ein ähnliches ”Anspielen” wie beim Ödipus-Komplex handelt es sich wohl auch beim Motiv der Aspis-Viper. Schlangen galten in der Frühantike keineswegs als ekliges Gewürm. Vornehme Damen trugen sie zwecks Kühlung um den Hals und Kinder sahen sogar Spielgefährten in ihnen. Die Abneigung gegen sie trat erst in der Spätantike auf. So möchte es denn gerechtfertig erscheinen, die Aspis-Viper im Roman als mythisches Symbol zu deuten. Tatsächlich aber wird dieser Sinnbezug von der einfachen Wahrheit wieder zurückgenommen, dass Sabeth an den Auswirkungen ihres Schädelbasisbruchs gestorben ist, nicht am Schlangenbiss.

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4) Manfred Jürgensen ”Max Frisch: Die Romane”

Wie Griechenland als Heimat des Mythos gesehen wird, gehört die Technik zu Nordamerika. Faber hat in den USA seine angemessene Wahlheimat gefunden und schätzt den ”American Way of Life”. Jedoch danach, einhergehend mit seinem körperlichen und moralischen Versagen, sagt er schliesslich der amerikanischen Lebensweise ab. Dreimal im Laufe der Geschichte bricht Faber von New York aus zu einer Reise auf. Jedesmal wartet am Ende dieser Reisen der Tod:
1. Nach der Reise nach Guatemala findet er Joachim am Strick
2. Auf der Reise nach Griechenland, die mit Sabeths Tod endet
3. Nach der Reise wieder nach Europa bzw. Griechenland endet schliesslich - dem Leser bleibt diese Vermutung selbst überlassen - sein eigenes Leben

Fremdwörter im Buch
Amöben griech. ”Veränderliche”; zur Klasse der Wurzelfüssler zählende einzellige mikroskopische Lebewesen
Atavismus Rückschlag einzelner Individuen in die Ausprägungsformen bestimmter Merkmale der entwicklungsgeschichtlichen Vorfahren, z.B. Fell beim Menschen
Chimäre/ -a (auch Schimäre) feuerschnaubendes Fabelwesen der griech. Myth.: vorne Löwe, Mitte Ziege, hinten Drache; Hirngespinst
Entropie

Informationstheorie: mittlerer Informationsgehalt, wenn die möglichen Ereignisse mit verschiedener Wahrscheinlichkeit eintreten



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